Parasiten und Würmer

 
 

© Text:  Dr. Anja Seefeldt
    Fotos:  Wikipedia
    Grafik:  CDC/Alexander J. da Silva, PhD/Melanie Moser

 
 
 

„Mein Hund hat doch keine Würmer!!!“ --Wirklich nicht, oder haben Sie es bisher nur nicht bemerkt? Glücklicherweise sind nur die wenigsten Hunde so stark verwurmt, dass Wurm(teile) auf dem Kot sichtbar sind oder am After kleben. Der Schaden, der durch Würmer angerichtet wird, auch abhängig vom Grad des Befalls, reicht u.a. vom „Stehlen“ von Nährstoffen,  Verdauungsstörungen, Organschäden (nicht nur im Darm, sondern auch z.B. in der Muskulatur durch Larvenwanderung), Blutarmut bis zur Schwächung des Immunsystems. Gerade bei Welpen oder kranken Tieren kann ein (starker) Wurmbefall durchaus zum Tode führen.

Aber nicht nur der Hund selbst ist gefährdet: Viele Wurmarten können auch auf den Menschen übertragen werden und dort z.T. massive Schäden anrichten (und im Extremfall auch den Tod herbeiführen). Und die Übertragung ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich:

 
 

Toxascaris leonina Spulwurm des Hundes

 
 

Ei des Hundespulwurms (Toxascaris leonina) in
400-facher Vergrößerung

Foto: Joel Mills

 
 

Nach einer aktuellen Studie haben über 20 % aller Hunde in ihrem Fell unsichtbare Spulwurmeier. Dies betrifft besonders junge Hunde sowie welche mit dichter Unterwolle (Spitze!). Besonders ansteckungsgefährdet sind  Kinder, Senioren oder immungeschwächten Personen.

Um ein sinnvolles Entwurmungs- (oder Kotuntersuchungs-) Management betreiben zu können, sollte zunächst eine Risikoeinstufung erfolgen. Dieses sollte im Gespräch mit Ihrem Tierarzt passieren. Wichtige Faktoren sind dabei z.B. Alter des Hundes, Kontaktpersonen (Kinder, Kranke...), Haltungsform (schläft mit im Bett; Haltung mehrerer Hunde/Katzen; Freilauf), Ernährung (Fütterung von rohem Fleisch; Kotfressen; Fressen von Nagetieren), Auslandsreisen und Nutzung (Führen zur Jagd).

 

Auch bei geringerem Risiko sollten Hunde mindestens 4 x jährlich entwurmt bzw. auf Wurmbefall untersucht werden. Bei hohem Risiko empfiehlt sich eine monatliche Entwurmung, da von bestimmten Wurmarten bereits 3 Wochen nach der Infektion Eier ausgeschieden werden. Da Wurmmittel keine prophylaktische (=vorbeugende) Wirkung haben, muss davon ausgegangen werden, dass sich ein Hund direkt nach einer Entwurmung wieder neu anstecken kann. Hinsichtlich des geeigneten Entwurmungsmittels sollten Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten lassen, denn nicht alle Präparate bekämpfen die gleichen (oder gar alle) Wurmarten.

Prinzipiell können zur Parasitenkontrolle auch Kotuntersuchungen vorgenommen werden. Damit wird überprüft, ob ein Tier Wurmeier ausscheidet. Finden sich Hinweise auf einen Wurmbefall, wird der Hund behandelt. Da die Eier jedoch nicht ständig ausgeschieden werden, ist es nötig, eine Sammelkotprobe (über 3 Tage) zu untersuchen. Allerdings bedeutet eine negative Kotprobe nicht, dass der Hund keine Würmer hat. Er kann sich durchaus bereits angesteckt haben, ohne dass die Würmer bereits mit einer Eiausscheidung begonnen haben. Somit könnte das Untersuchungsergebnis schon wenige Tage später positiv ausfallen.

Die modernen Entwurmungsmittel sind für den behandelten Hund nahezu risikolos. Ihre Wirkstoffe  wirken nur auf solche Strukturen, die entweder ausschließlich bei Würmern zu finden sind oder nur in geringem Maße im Organismus von Tier oder Mensch vorkommen. Selbst regelmäßige Wurmkuren können Hunden also keinen oder kaum einen ernsthaften Schaden zufügen. Als häufigste Nebenwirkungen treten hin und wieder vorübergehende Magen-Darm-Verstimmungen, wie Durchfall oder Erbrechen, auf. Bei vermutetem starken Wurmbefall (z.B. Welpe aus dubioser Herkunft) sollten die ersten Wurmkuren (Medikamentenart, Zeitpunkt der Gabe) genau mit dem Tierarzt abgesprochen werden, um gravierende Nebenwirkungen zu verhindern.



In Deutschland sind folgende Wurmarten von Bedeutung:

 

Spul- und Hakenwürmer:

 
 
 

Diese Würmer werden ohne Zwischenwirt direkt von Hund zu Hund weitergegeben. Die häufigsten Übertragungswege sind: Muttermilch (d.h. schon die Welpen infizieren sich) und Kot. Die Infektion kann auch indirekt über Schuhwerk erfolgen (In einer Studie an reinen Wohnungskatzen wurden bei 20% der Tiere eine Infektion festgestellt)! Dass auch Menschen von einer Ansteckung bedroht sind, wurde bereits weiter oben beschrieben.

 

Hakenwurmlarve

 
 

Freilebende Larve des Hakenwurmes Ancylostoma duodenale

Foto: wikipedia

 
 

Toxocara canis - adlut worms isolated from dog's feces.

 
 

Toxocara canis - adlut worms isolated from dog's feces.

Foto: Flukeman

 
 

Lebenszyklus-des-Hundespulwurms

   
 

Lebenszyklus des Hundespulwurms

Grafik: CDC/Alexander J. da Silva, PhD/Melanie Moser

 
 

Das Schaubild über den Lebenszyklus des Hundespulwurms haben wir für Sie auch in einer druckerfreundlichen PDF-Version vorbereitet.

 

Bandwurm im Erbrochenen

 
 

Gurkenkernbandwurm im Erbrochenen
Dipylidium caninum
Foto: Kalumet at

 
 
 

Gurkenkernbandwurm

 
 

Gurkenkernbandwurm unter dem Mikroskop
Dipylidium caninum
Foto: CDC's Division of Parasitic Diseases (DPD)

 
 

Baumwollratte vom Fuchsbandwurm infiziert

 
 

Vom Fuchsbandwurm infizierte Baumwollratte
Echinococcus multilocularis
Foto: CDC/Dr. I. Kagan

 

Bandwürmer:

 
 

Der Lebenszyklus der Bandwürmer sieht einen Zwischenwirt vor. Je nach Wurmart ist dies z.B. ein Floh oder eine Maus. Aber auch rohes Fleisch/ Innereien können eine Infektionsquelle darstellen. Wird diese(s) gefressen (oder geknackt), entwickelt sich im Darm der erwachsene Bandwurm. Die ausgeschiedenen Bandwurmteile werden wiederum von Zwischenwirten (auch der Mensch ist ein möglicher Zwischenwirt) aufgenommen. Es kann zu einer gefährlichen Zystenbildung in der Leber und/oder anderen Organen kommen, die sogar zum Tode (beim Fuchsbandwurm!) führen kann. Auch Hunde und Katzen können sich (meist als Endwirt) mit dem Fuchsbandwurm anstecken und scheiden dann Wurmteile aus, die wiederum der Mensch aufnehmen kann.

 

Bei Auslandsreisen sollte man sich vorher vom Tierarzt über mögliche zusätzliche Gefahren und deren Vorbeugung bzw. Therapie informieren. Dann erlebt man später keine böse Überraschung mit lebenden Mitbringseln.
 

Weitere Informationen zu Parasiten finden Sie unter :

www.escap.de

 

 

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