NützlichesGesundheitImpfung

Impfung

notwendig, überflüssig oder gar schädlich?

© Text:  Dr. Anja Seefeldt
    Fotos: Prinz (1), Dr. Seefeldt (2)

 

 

Auch im Zeitalter der Antibiotika gibt es weiterhin Infektionskrankheiten, die nicht oder nur schlecht behandelbar sind und oft tödlich enden. Sei es, weil es sich um Virusinfektionen handelt, gegen die Antibiotika nicht wirken, sei es, weil die auslösenden Bakterien antibiotikaresistent sind oder in Geweben vorkommen, in denen nur schwer wirksame Medikamentenspiegel erzeugt werden können. (Beispielsweise  bei Borreliose) Da aber bei artgerechter Haltung (sprich: Der Hund wird nicht im “Glaskasten” gehalten, sondern geht auf seinen eigenen Füßen draußen spazieren und hat auch Kontakt zu Artgenossen) immer eine Ansteckungsgefahr besteht, kann hier nur eine Impfung schützen.



Eine (aktive) Impfung ist nichts anderes als das, was stündlich in unserem aber auch im Hundekörper passiert: Dem Immunsystem wird Fremdeiweiß (“Antigen”) präsentiert. Natürlicherweise passiert dies z.B. nach dem Eindringen von Viren durch die (Schleim-)Häute in den Körper. Bei Impfungen geschieht dieses natürlich gezielt.

 

Tipps für eine 
erfolgreiche Impfung

  • keine kranken oder von Parasiten (Flöhe, Würmer) befallenen Hunde impfen lassen
  • bestimmte Medikamente können die Aktivität des Immunsystems vermindern. Vorherige Absprache mit dem Tierarzt
  • Stress im impfnahen Zeitraum vermeiden (Reisen, Umzug, Tierpensionsaufenthalt, Familienzuwachs, Narkosen usw.)
  • Impfabstände besonders im ersten Jahr genau einhalten (je nach Hersteller variieren die Impfzwischenräume; lieber etwas eher gehen als zu spät, im Zweifelsfalle rechtzeitig den Tierarzt fragen. Vertrauen Sie nicht auf Nichttierärzte, die sagen, Sie sollten ruhig erst 2 Wochen später gehen, als im Impfpass angegeben.)
 

Außerdem sind die verwendeten Erreger entweder abgetötet (“Totimpfstoff”) oder so abgeschwächt, dass sie (normalerweise) keine Krankheits-Symptome auslösen können (“Lebendimpfstoff”).

 

Zahnsanierung

 
 

Zahnsanierung und Impfung nicht zeitgleich durchführen !!!

 
 

In seltenen Fällen (0,0042 %, davon auch nur ein Sechstel überhaupt lebensbedrohlich!)1 treten Impfnebenwirkungen auf. Diese können im Wesentlichen als Reaktion auf die Hilfsstoffe (sog. Adjuvantien, die besonders Totimpfstoffen beigefügt werden müssen, um eine ausreichende Immunantwort hervorzurufen), auf das Antigen selbst (z.B. überschießende Reaktion des Immunsystems in Form eines allergischen Schocks bzw. bei Unterfunktion des Immunsystems das Auftreten von - meist milden- Symptomen der Krankheit) und  in Symptome, die eigentlich als Hinweis auf ein gutes Ansprechen des Immunsystems auf die Impfung zu werten sind (z.B. leichte Schmerzen /Schwellung der Impfstelle/ von Lymphknoten, leichtes Fieber oder Abgeschlagenheit), eingeteilt werden.

 

Für einige Leute stellt sich trotz dieser Seltenheit die Frage, ob es nicht besser wäre, auf das Impfen zu verzichten. Damit würden sie aber das Tier einem unkalkulierbaren Risiko aussetzen. Schließlich kann schon der nächste Hund, den man trifft, oder der nächste beschnupperte Laternenpfahl ein Keimreservoir darstellen. Besonders junge Hunde haben noch kein voll funktionstüchtiges und “erfahrenes” Immunsystem und fallen deshalb besonders gerne Infektionen zum Opfer.

 

 Das Gleiche gilt für Erwachsene, deren Immunsystem aus irgendwelchen Gründen geschwächt ist. Und es muss tatsächlich jederzeit damit gerechnet werden, dass am eigenen Wohnort z.B. Staupe auftritt, weil  ständig irgendwo Krankheitsfälle vorkommen (oftmals eingeschleppt durch importierte Hunde).

Sicherlich werden auch viele nicht geimpfte Hunde nicht krank aber ob das auch für den Eigenen gilt, weiß man erst hinterher.    Außerdem spielt natürlich auch die Erregermenge eine Rolle: Solange die meisten Hunde geimpft sind, hält sich der Keimdruck in Grenzen.

 

Impfung

 
 

Impfungen sollen Leben retten !!

 
 

Blutprobe

 
 
 

Im Blutserum kann der Antikörpergehalt z.B. gegen Leptospirose gemessen werden

 

Wenn aber ein bestimmter Impf-Prozentsatz unterschritten wird, kann das System zum Kippen kommen, und es kommt zu einem seuchenartigen Auftreten. Ein Beispiel dafür war die  Staupe-Epidemie in Finnland 1994 -1995. Ihr fielen Hunderte Tiere zum Opfer, und sie konnte erst gestoppt werden, als etwa 70% der Welpen in diesem Gebiet geimpft worden waren.

Vor einigen Jahren wurde die “Ständige Impfkommission” (StIKo) gegründet, die sich aus führenden deutschen Wissenschaftlern zusammensetzt. Die Kommission unterteilt in ihren Impfempfehlungen bei den “impfbaren” Erkrankungen so genannte Core- und Non-Core-Impfungen.

 

Mit den Core-Komponenten (Tollwut, Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose) sollte jeder Hund geimpft werden. Die Non-Core-Vakzinen (z.B. Zwingerhusten, Borreliose, Herpesvirus) sind in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll. Dies sollte in einem Beratungsgespräch mit dem Tierarzt abgeklärt werden. Gleichzeitig  sollte auch über die notwendigen Wiederholungsimpfungen gesprochen werden (z.B. sind bei einigen Komponenten 3-jährige Abstände möglich). Auch hier spielen wieder die Haltungsumstände eine wichtige Rolle (z.B. Reisen ins Ausland). Sofern keine gesetzlichen Vorgaben zu beachten sind, kann es in bestimmten Fällen nützlich sein, den Zeitpunkt der

Wiederholungsimpfungen anhand von Antikörpertitern festzulegen. Dieser muss dann aber individuell bei dem jeweiligen Hund gemessen werden. Dies kann auch sinnvoll sein, um den besten Zeitpunkt der ersten Impfung im Welpenalter zu bestimmen. Die Welpen nehmen mit der ersten Milch (Kolostrum) mütterliche Antikörper auf. Diese sinken langsam in den ersten Wochen ab. Zu einem bestimmten (aber individuellen) Zeitpunkt ist der Spiegel so niedrig, dass er gegen die Krankheit nicht mehr schützt. Aber gleichzeitig ist er noch so hoch, dass er eine wirksame aktive Impfung verhindert. Dieser Zeitraum wird “immunologische Lücke” genannt. Optimalerweise würde ein Welpe sofort geimpft werden, sobald der Titer unter die untere Grenze fällt. Dazu müssten aber bei jedem einzelnen Welpen solche Antikörpertiterbestimmungen durchgeführt werden, weil die Menge der aufgenommenen Antikörper extrem unterschiedlich ist (z.B. abhängig von der Milchaufnahme). Da dies kaum praktikabel ist, wird i.A. nach einem Standardimpfschema vorgegangen, das einen Beginn der Grundimmunisierung mit 8 Wochen vorsieht. Allerdings sollte sich der frischgebackene Welpenbesitzer immer bewusst sein, dass der Hund so oder so erst mit frühestens 12 Wochen (nach der 2. Impfung) eine recht gute Immunität aufweist. Sofern die erste Impfung nicht richtig angeschlagen hat, ist die Belastbarkeit erst mit der (dringend empfohlenen) 3. Impfung in der 16. Woche erreicht. Leider fällt die absolut notwendige Sozialisierungsphase genau in diese Zeit. Der  wichtige Kontakt zu anderen Hunden darf keinesfalls unterbunden werden. Allerdings empfiehlt es sich sicherlich, die Partner gezielt auszusuchen (nur geimpfte erwachsene Hunde; Welpen aus dubiosen Herkünften vermeiden usw.    

Glossar:

aktive Impfung: Dem Impfling werden Antigene (z.B. Virusbestandteile) injiziert, gegen die der Körper selbst die schützenden Antikörper bilden muss. Dies setzt ein funktionierendes Immunsystem voraus und dauert ca. 14 Tage.

passive Impfung: Der Patient erhält die Antikörper verabreicht. Dies ist in Fällen nützlich, wo ein sofortiger Schutz erforderlich ist oder dann, wenn das Immunsystem noch nicht in der Lage ist, Antikörper selbst zu produzieren (bei ganz jungen Welpen)

Antikörpertiter: In einer Blutprobe wird die Menge der entsprechenden Antikörper bestimmt (z.B. gegen Staupe oder Tollwut).

 

)1  Angaben vom PEI aus 2007 in: DTB, 11/2008

 

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