Zähne

 
 
 

© Dr. Anja Seefeldt

 
 
 

Bei unseren besten Freunden handelt es sich um Raubtiere. Ohne ein funktionierendes Gebiß wäre ihnen kein langes Leben beschert gewesen: Mit den Fangzähnen (“Eckzähne”) wird die Beute festgehalten, zerkleinert wird sie dann mit den Reißzähnen (das sind die ersten großen Backenzähne). Die Schneidezähne dienen immerhin noch dem Durchkämmen des Fells und dem Flöheknacken-- denn auch Parasiten verkürzen ein Leben. Nun wird im Zeitalter von Cäsar und Frolic kein Hund verhungern, weil seine Beißerchen nicht einsatzfähig sind oder gar fehlen. Trotzdem dient ein gesundes Gebiß der Allgemeingesundheit und dem Wohlbefinden des Tieres.

Erbanlage...

In vielen Rassestandards, auch dem Spitzstandard, werden fehlende Zähne als mehr oder minder schwere Fehler angesehen. Allerdings ist es so, daß in der Evolution des Wolfes die Tendenz zu einer Vergrößerung des Caninus (Fangzahn) besteht und der in dessen “Windschatten” stehende Prämolar 1 (P1) dazu neigt, zu fehlen. Daher kann man auch bei Wölfen, die Generationen von vollzähnigen Ahnen besitzen, welche mit “Zahnfehlern” beobachten. Das gleiche gilt für den unteren Molaren 3 (M3). Mit zunehmender Größe des M2 tendiert er zum Fehlen. Diese Entwicklung ist bei der (Wild-)Katze bereits eingetreten: Reduzierung der Zahnzahl (Katze = 30 Zähne) und Vergrößerung der verbleibenden.

Während also das Fehlen von P1 und M3 als Ausdruck der Evolution anzusehen ist, liegt die Sache beim Fehlen von weiteren Zähnen anders: Es ist als echter Mangel einzustufen. Dabei sind die Zähne entweder gar nicht erst angelegt oder brechen nicht durch und sind nur röntgenologisch nachweisbar.

Da die Zähne bei Zwergrassen nicht proportional zu der kleinen Fanggröße “schrumpfen”, herrscht bei den kleinen Vertretern im Maul drangvolle Enge: Die Zähne stehen extrem dicht zusammen. Folge: Futterreste verklemmen sich leichter. Diese enge Stellung der Zähne ist vermutlich auch eine Ursache für die leider häufig vorkommenden Probleme beim Zahnwechsel (die genauen Ursachen sind derzeit aber noch unbekannt). Die Milchzähne fallen nicht rechtzeitig (oder gar nicht) aus, und die bleibenden Zähne brechen irregulär durch. Schlimmstenfalls hat der Hund ein doppeltes Gebiß, sofern die Milchzähne nicht rechtzeitig gezogen werden. Solche Hunde haben nicht nur meist bereits im ersten Lebensjahr eine dicke Schicht Zahnstein, sondern es kann auch zu Verletzungen von Zahnfleisch und Lefzen durch fehlgestellte Zähne kommen.

...und Umwelt

Das Milchgebiß dient nicht nur dem “kurzfristigen” Überleben, sondern beeinflußt auch das bleibende Gebiß: Entzündungen der Milchzähne (z.B. nach Abbrechen ) können die Zahnanlagen der bleibenden Zähne schädigen. Insofern sollten auch die Milchzähne regelmäßig auf Beschädigungen kontrolliert und diese schnellstens versorgt werden. Da Milchzähne recht schlank sind, passiert es natürlich eher einmal, daß bei wilden Zerrspielen ein Zahn abbricht. Daher sollte  man dabei Vorsicht walten zu lassen. Ein Übermaß an Zugbelastung während des Zahndurchbruchs kann mangels ausgebildeter Wurzel auch zu einer Kippung der Zähne führen. Dies kann dann durch Druck des Gegenspielers im anderen Kiefer fixiert werden. Skelettbedingter Vor- und Rückbiß entstehen dagegen (sofern nicht sowieso angeboren) häufiger durch eine sogenannte Verriegelung des Kiefers. Ober- und Unterkiefer wachsen nämlich nicht gleichzeitig. Wenn durch eine Caninusfehlstellung dieser in den Gegenkiefer einbeißt, entsteht eben genau so eine Verriegelung und das Kieferwachstum wird unterbunden.

Da es auch bei zunächst perfekten Gebissen (z. B. anläßlich Impfung festgestellt) gerade während des Zahnwechsels zu folgenreichen Problemen kommen kann, empfiehlt es sich, mit ca 6-7 Monaten (oder sofort, wenn Probleme beobachtet werden) von einem Tierarzt eine Zahnkontrolle durchführen zu lassen. Je früher Fehlstellungen therapiert werden, desto schneller stellt sich der Erfolg ein.

Zahnpflege

Nicht nur die Hunde, die im “Showbiz” sind, sollten den Betrachter durch ein strahlendes “Lächeln” erfreuen. Jeder Hund hat das Recht auf ein sauberes Gebiß, das zu seinem langen Leben beiträgt.

Wie bei uns bildet sich auf den Zähnen von Hunden täglich Plaque, d.h. ein schmieriger Belag aus Speichel, Futterresten und Bakterien. Wenn er nicht sofort durch Reibung (hartes Futter bzw. Zähneputzen) entfernt wird, lagern sich Mineralien ein und es entsteht Zahnstein. Der Zahnstein führt zur Ablösung des Zahnfleisches vom Zahn, und  es bilden sich  Zahnfleischtaschen.  In diesen Taschen finden Bakterien, die ohne Sauerstoff leben können,  ideale Wachstumsbedingungen. Es kommt insgesamt zu einer starken Zunahme der Bakterien in der Maulhöhle, die die Tendenz haben, sich auch über die Blutbahn im Körper auszubreiten. Sie können zu Erkrankungen von Lunge, Herz, Leber und Nieren führen.  Im weiteren Verlauf wird durch die Zunahme des Zahnsteins das Zahnfleisch immer weiter zurückgedrängt und damit die Zahnwurzel freigelegt. Massive Entzündungsprozesse (sehr schmerzhaft!) führen zum Zahnfleischbluten und in der Tiefe zum Abbau des umgebenden Kieferknochens. Das Endstadium ist die Lockerung und schließlich der Verlust des Zahnes.

 

 
 

gesundes Wolfsgebiss

 
 

Um Ihnen zu zeigen, wie ein gesundes und leistungsfähiges Gebiss bei einer immerhin 11 jährigen Wolfsspitzhündin bei optimaler Pflege aussehen kann, mag das obige Bild veranschaulichen. Kein Zahnstein und kaum Abnutzungserscheinungen zeigen was möglich und erstrebenswert sein sollte.

Ganz anders die Zähne  einer 13 jährigen Wolfsspitzhündin auf den unteren Bildern. Hier wurde die Pflege über Jahre völlig vernachlässigt. Massiver Zahnsteinbelag, ausgefallene Zähne, Zahnfehlstellungen und Mundgeruch sind die Folge.

 
 

Wolfsspitzgebiss mit Zahnstein01

 
 

Wolfsspitzgebiss mit Zahnstein

 
 

Wolfsspitzgebiss mit Zahnstein02

 
 

Für die Zahnpflege eignen sich spezielles Trockenfutter, Kauartikel oder Kauspielzeug. Besonders effektiv ist das tägliche (bevor sich Mineralien in den Plaque einlagern) Zähneputzen. Es sind spezielle Zahnbürsten und Hundezahnpasta im Handel, die den Hunden die Zahnpflege im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft machen. Wichtig ist, daß man bereits den jungen Welpen, zuerst spielerisch, an diese Maßnahme gewöhnt. Hat sich trotzdem Zahnstein gebildet, sollte man nicht zu lange warten, bis man ihn vom Tierarzt entfernen läßt. Sind nämlich bereits sichtbare Entzündungen vorhanden oder hat der Hund gar Schmerzen beim Fressen, ist mit tiefgreifenden, nicht immer therapierbaren, Veränderungen am Zahnhalteapparat zu rechnen.

Weitere wissenswerte Informationen bekommen Sie unter:

http://www.vet-dent.com/wissenswertes.htm

 

 

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